WARUM JAZZ?
WARUM JAZZ ist ein Podcast über Gesellschaft, Kultur und die Fragen, die uns beschäftigen – mit Jazz als Ausgangspunkt.
Was haben Freiheit, Arbeit, Familie, Sichtbarkeit, Herkunft oder mentale Gesundheit mit Jazz zu tun? Mehr als man vielleicht denkt.
In jeder Folge widmet sich Stephanie Lottermoser einem Thema unserer Zeit und spricht darüber mit Menschen, die etwas zu erzählen haben. Mal persönlich, mal gesellschaftlich, mal überraschend – aber immer mit Neugier und einem offenen Blick auf die Welt.
Als international tätige Jazzmusikerin erlebt Stephanie seit vielen Jahren, wie eng Kunst, Arbeit, Politik und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind. Dabei geht es nicht nur um Musik, sondern um die Geschichten, Erfahrungen und Fragen, die dahinterstehen.
Denn Jazz ist hier nicht nur Musik. Jazz ist ein Blick auf die Welt.
LINKS:
Playlist WARUM JAZZ? auf Apple Music: https://music.apple.com/de/playlist/warum-jazz/pl.u-6mo41A4sBVz1DE
Homepage Stephanie Lottermoser:
https://www.stephanielottermoser.com/
WARUM JAZZ?
Die Sache mit der Unabhängigkeit
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Zum Auftakt von WARUM JAZZ? fragt Stephanie Lottermoser nicht nur, warum sie Jazzmusikerin geworden ist, sondern auch, warum Jazz ein spannender Ausgangspunkt sein kann, um über unsere Gesellschaft nachzudenken.
Es geht um Unabhängigkeit, Verantwortung, Herkunft, Strukturen und die Frage, wie wir unseren Platz in der Welt finden. Anhand persönlicher Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Kulturbetrieb entsteht das Bild eines Podcasts, der Jazz als Linse nutzt, um auf größere gesellschaftliche Themen zu schauen.
Denn Jazz ist hier nicht nur Musik. Jazz ist eine Perspektive.
LINKS:
Playlist WARUM JAZZ auf Apple Music
Homepage STEPHANIE LOTTERMOSER
WARUM JAZZ? ist der Podcast von Stephanie Lottermoser über Gesellschaft, Kultur und die Fragen unserer Zeit – mit Jazz als Perspektive. In jeder Folge geht es um Themen wie Freiheit, Herkunft, Macht, Sichtbarkeit und kreative Selbstbestimmung. Denn Jazz ist nicht nur Musik, Jazz ist eine Perspektive.
Folgt dem Podcast und abonniert die Playlist zur Sendung. Feedback, Fragen und Themenvorschläge sind jederzeit willkommen.
In einem Interview mit NDR Kultur Extra in 2023 habe ich selbst gesagt, dass Unabhängigkeit neben vielen Vorzügen auch sehr viel Arbeit machen kann. Und mein Name ist Stefanie Lottermoser, ich bin Jazzmusikerin, spiele Saxophon, singe und komponiere. Außerdem bin ich als Dozentin und als Moderatorin tätig. Ich habe gerade erst entschieden, als Künstlerin nach sechs Alben mit verschiedenen Labelpartnern ein eigenes Label zu gründen, nämlich Lotterlebenmusik. Und ich werde nach 40 Folgen Moderation und Produktion des Podcast Jazz Moves Schnack einen eigenen Podcast moderieren. Warum Jazz? Warum Jazz? Ich weiß nicht, ob ihr euch das manchmal fragt, je nachdem, wer ihr seid. Vielleicht als MusikerInnen, VeranstalterInnen, Menschen, die Jazz hören, besprechen, promoten oder fotografieren. Ich frage mich das tatsächlich manchmal, nicht aus Zweifel an dem, was ich mache, sondern mehr aus Neugierde, wie ich eigentlich hier gelandet bin. Ich komme nicht aus einer Künstlerfamilie oder einem Umfeld, in dem eine solche Karriere oder ein solcher beruflicher Werdegang normal ist oder erwartet wird. Und bemerke da durchaus manchmal Unterschiede zwischen mir und zum Beispiel KollegInnen mit einem anderen familiär Background, bei denen zum Beispiel Vater oder Mutter Musiker, Künstlerinnen, Künstler sind. Warum auch immer hatte ich schon als Kind den Drang, einfach Musik machen zu wollen und irgendwie bin ich jetzt hier gelandet. Aber das könnte ja direkt ein Thema sein. Man könnte es verpacken unter dem Oberbegriff Werdegang. Ein Thema, das ich da anschließen könnte, wäre vielleicht Klassismus, Zugang, Möglichkeiten. Und hier kommen wir dem Kern dieses neuen Podcasts vielleicht auch schon ein Stück näher. Die Kulturwissenschaftlerin in mir, ja, das habe ich auch mit Abschluss studiert, sieht eigentlich alles, was ich tue, ein Stück weit als große Feldforschung, also als teilnehmende Beobachtung und zwar als eine nicht selten relativ skurrile. Ich habe es geliebt, Menschen aus dem Jazzumfeld für den Podcast Jazz Moves Schnack zu interviewen und ihre Geschichten zu erfahren. Etwas, das ich mir aber auch immer vorstellen konnte, war und ist, einen Podcast zu verschiedenen Themen zu moderieren. Themen, die in der Gesellschaft und vor allem in der Kultur zu verorten sind, die sich aber immer auch im Jazz erarbeiten oder am Jazz abarbeiten lassen. Vielleicht ist dieser Podcast also die Doktorarbeit, von der mich mein Jazzstudium abgehalten hat und die immer noch in mir schlummert. Themen wie zum Beispiel Klassismus, Herkunft, Diversität, Feminismus, Arbeit, Macht, Nachhaltigkeit, Sichtbarkeit, Familie, Strukturen, Publikum, Dynamiken, all das steckt natürlich auch im Jazz und lässt sich daran diskutieren. Selbstverständlich geht es immer auch und übergeordnet um Musik. Ohne die Musik als Antrieb wäre ich jetzt nicht hier. Musik zu spielen, Musik besser zu verstehen und auf meine Art und Weise die beste Musikerin zu werden, die ich sein kann, steht immer über allem, was ich tue. Es wird ja auch mal kurze historische Abrisse oder Geschichten über große Jazzpersönlichkeiten geben, aber diese Geschichten erzählen schon andere auf ganz großartige Weise. Es gibt dazu Podcasts, es gibt dazu Bücher, verschiedene Veröffentlichungen. Und das würde ich auch diesen Stellen überlassen. Wir werden hier natürlich auch über neue Alben und aktuelle Touren sprechen, aber eben nur als Teil einer Geschichte und als Teil der Geschichte bestimmter Personen. Ich liebe Musik machen, aber eben auch das hier: Kultur, Gesellschaft, Geschichte. Darüber schreibe ich ja auch viele meiner Songs, was einige von euch ja bereits wissen. Ich werde euch also mit in mein Lotterleben nehmen, werde aber auch verschiedene Gäste hier haben, die bestimmte Themen mit mir besprechen. So in etwa stelle ich mir das vor. Willkommen bei Warum Jazz? Heute machen wir erst einmal eine kleine Pilotfolge, damit ihr euch hier gemeinsam mit mir zurechtfinden könnt. Und ich bin heute auch noch alleine hier. Was wiederum passt, weil ich, wie ich ja schon gesagt habe, zusätzlich zu aller Unabhängigkeit, die ich in den letzten Jahren beschworen habe, jetzt auch noch die Punkte Label und Podcast selbst mache. Dabei bin ich natürlich nicht alleine, sondern habe Menschen, die mich beraten, mit denen ich zusammenarbeite und die ich beauftrage. Aber ich habe sozusagen das letzte Wort. Mehr Entscheidungsfreiheit, aber auch mehr Verantwortung. Mein zuletzt veröffentlichtes Album trägt den Titel Independence, in Bindestrich-Dependence, also das Wechselspiel zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit. Und alle, die in den letzten Jahren eins meiner Konzerte besucht haben, wissen schon, dass ich mich viel mit dem Thema beschäftige und dass es etwas ist, was ich unvermeidbar mit Kunst machen, mit dem KünstlerInnen-Dasein verbinde. Und insofern war es vielleicht auch einfach nur konsequent, dass ich jetzt auch noch diesen Schritt und diese Schritte gegangen bin. Ich war tatsächlich schon immer lieber selbst für Dinge verantwortlich, selbst wenn sie schief gehen sollten, als dass ich damit umgehen kann, wenn andere verantwortlich sind und etwas nicht klappt. Das klingt vielleicht ein bisschen nach Kontrollfreak, aber vielleicht bin ich das auch ein Stück weit. Vielleicht, weil ich sowieso die ganze Zeit Pläne schmiede und gerne alles hinterfrage und auch vieles bezweifle, aber ich weiß, wie viel ich für mich selbst arbeite und für mich einstehe. Ein Beispiel für etwas, das andere verbockt haben, was mir sehr schwer gefallen ist zu akzeptieren. Mein vorletztes Album, Hamburg, wurde aus Versehen eine Woche zu früh digital veröffentlicht. Verstehe ich bis heute nicht, außerdem wollte dafür niemand so recht die Verantwortung übernehmen. Ein Album bedeutet so viel Mühe, auch ein Jazzalbum in unser aller Lieblingsnische. Für das Erfolgszahlen in einem anderen Level spielen als in Mainstream-Branchen. Es gibt Promo-Pläne, Release-Strategien, Social Media Rolls und so weiter und so fort. Und es gibt Playlisten und die Hoffnung auf einen Platz darin. In all diesen Punkten machen sieben Tage einen sehr, sehr großen Unterschied. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie überrascht ich war, als ich morgens und unterwegs zu einem Notarttermin Nachrichten mit Glückwunsch zu meinem Release bekam. Eine Woche vor dem Release. Naja, ich weiß sicher, dass das nicht mein Fehler war. Hätte ich lieber, es wäre meiner gewesen, wahrscheinlich. Wäre im Nachhinein irgendetwas anders gelaufen mit diesem Release? Wer weiß, vielleicht nicht und vielleicht schon. Ein anderer Punkt, in dem Unabhängigkeit für mich mehr eine Entwicklung als eine sofortige Entscheidung war, ist tatsächlich das Bandleaderinnen-Dasein. Ich hatte zwar schon in der Schule nie Probleme damit, Gedichte vorzutragen oder Referate zu halten, aber ich habe auch nie darüber nachgedacht, auf der Bühne zu stehen als Beruf. Ich würde immer noch sagen, dass auch hier Musik der eigentliche Grund ist. Zuerst will ich Musik machen, dann kommt die Bühne dazu. Als Möglichkeit, andere an meiner Musik teilhaben zu lassen und natürlich auch als Möglichkeit, Geld damit zu verdienen. Aber ich mache nicht nur sehr gerne und am liebsten Musik, ich stehe auch wirklich gerne auf der Bühne. Jedenfalls, als ich das erste Mal eigene Musik geschrieben habe, dachte ich, ich gründe jetzt eine Band, in der alle gemeinsam eine Band sein wollen und der sich auch alle darum kümmern. Das hat aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht funktioniert. Ich habe ja auch alle Stücke von vornherein geschrieben, ich habe mich um die Konzerte gekümmert oder um Auftritte und ich habe natürlich auch die Gagen bezahlt. Und ich hätte mich damals auch ehrlicherweise gar nicht getraut, von meinen Mitmusikern mehr oder überhaupt außer musikalisches Engagement für diese Band einzufordern. Dass also heute Stefanie Lotter Moser auf meinen Plakaten, meinen Alben und meinen Konzertankündigungen steht und all das, was damit verbunden ist, musste ich lernen. Es war notwendig für mich, um auf meine Art Musik machen zu können. Und ich lerne immer noch. Jetzt kann ich natürlich auch nicht unerwähnt lassen, dass ich den Jazz in einem sehr männlich geprägten Umfeld kennengelernt habe und dass ich die Vermutung habe, dass das Bandleaderinnen-Dasein meine beste Chance war, hier gehört und ernst genommen zu werden. Gesehen wurde ich meistens, aber das ist ein eigenes Thema für mindestens eine eigene Folge. In den 17 Jahren, in denen ich mittlerweile Jazzmusikerin bin, habe ich gelernt, dass Unabhängigkeit, der Mut dazu und die Bereitschaft, sehr viel Zeit in alle notwendigen Teile zu stecken, meine größte Chance sind. Nicht die einzige Chance, aber für mich die authentischste. Das musste ich selbst erst erkennen lernen, aber ich gebe mir Mühe, auch mich selbst immer besser zu verstehen. Ich habe nicht das Gefühl, dass jemals jemand das, was ich will, so sehr wollte wie ich selbst. Und dass sich bisher auch niemand so sehr dafür eingesetzt hat wie ich selbst. Um den Bogen zu schließen zum Alleinsein, fühle ich mich manchmal allein in dieser Unabhängigkeit. Absolut. Aber in Gesprächen mit Menschen in ähnlichen beruflichen Konstellationen merke ich, dass es ganz vielen ganz genauso geht, wenn man sich traut, nachzufragen. Und deswegen will ich so etwas hier besprechen anhand von Jazz. Warum Jazz? Weil er all das beinhaltet. Die Strukturen, die Fragen und die Perspektiven. Weil diese Musik die magischste und besonderste und schönste ist, die ich kenne. Weil wir so viel daraus lernen können, was es braucht, um Jazz zu spielen. Darum Jazz. Ich habe euch schon ein paar Themen genannt, die ich hier besprechen möchte und ich habe zusätzlich viele Wunschgäste, die ich gerne einladen würde. Wenn ihr Anregungen, Fragen oder Wünsche habt, freue ich mich sehr von euch zu hören auf Instagram, Facebook. Ja, Facebook ist relevant im Jazz in Deutschland. Auch ein Thema vielleicht per Mail oder wo auch immer ihr mich findet. Folgt diesem Podcast und mir sehr gerne und ich hoffe, wir hören uns hier bald wieder. Als musikalischen Input lasse ich euch eine Playlist da, die ihr in den Shownotes findet. Die wird regelmäßig ergänzt und erweitert mit Musik, die mich inspiriert, die ich gerne höre und die euch auch zeigen soll, was Jazz alles sein kann. Auch das ist eine große Frage mit sehr vielen verschiedenen Antworten, je nachdem wen man fragt. Also bis zum nächsten Mal bei Warum Jazz?
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