WARUM JAZZ?
WARUM JAZZ ist ein Podcast über Gesellschaft, Kultur und die Fragen, die uns beschäftigen – mit Jazz als Ausgangspunkt.
Was haben Freiheit, Arbeit, Familie, Sichtbarkeit, Herkunft oder mentale Gesundheit mit Jazz zu tun? Mehr als man vielleicht denkt.
In jeder Folge widmet sich Stephanie Lottermoser einem Thema unserer Zeit und spricht darüber mit Menschen, die etwas zu erzählen haben. Mal persönlich, mal gesellschaftlich, mal überraschend – aber immer mit Neugier und einem offenen Blick auf die Welt.
Als international tätige Jazzmusikerin erlebt Stephanie seit vielen Jahren, wie eng Kunst, Arbeit, Politik und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind. Dabei geht es nicht nur um Musik, sondern um die Geschichten, Erfahrungen und Fragen, die dahinterstehen.
Denn Jazz ist hier nicht nur Musik. Jazz ist ein Blick auf die Welt.
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Playlist WARUM JAZZ? auf Apple Music: https://music.apple.com/de/playlist/warum-jazz/pl.u-6mo41A4sBVz1DE
Homepage Stephanie Lottermoser:
https://www.stephanielottermoser.com/
WARUM JAZZ?
Die Sache mit der Lebensplanung (mit Heidi Bayer)
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Die Sache mit der Lebensrealität
Wie sieht das Leben hinter einer Musikkarriere wirklich aus? Und entspricht die Realität irgendwann dem, was man sich einmal vorgestellt hat?
In dieser Folge von WARUM JAZZ? spricht Stephanie Lottermoser mit der Trompeterin, Bandleaderin, Professorin und Mutter Heidi Bayer über die vielen Rollen, die ein Leben in der Musik mit sich bringt. Es geht um ihren Weg von Köln nach Nürnberg, den Alltag zwischen Bühne, Hochschule und Familie, Erwartungen an ein Musikstudium und die Frage, was junge Musiker*innen über diesen Beruf wissen sollten – und was man vielleicht erst unterwegs lernt.
Ein Gespräch über Lebensentwürfe, Entscheidungen und die unterschiedlichen Realitäten hinter einer Karriere im Jazz.
Homepage Heidi Bayer: https://www.heidi-bayer.de/
WARUM JAZZ? ist der Podcast von Stephanie Lottermoser über Gesellschaft, Kultur und die Fragen unserer Zeit – mit Jazz als Perspektive. In jeder Folge geht es um Themen wie Freiheit, Herkunft, Macht, Sichtbarkeit und kreative Selbstbestimmung. Denn Jazz ist nicht nur Musik, Jazz ist eine Perspektive.
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Zwei Themen heute, Dass erste ist, dass ich mich oft rückblickend frage, wie ich mir mein Leben eigentlich vorgestellt habe, a ls ich entschieden habe, dass ich Berufsmusikerin werden will oder dass ich das versuchen will. I ch habe einen Abschluss in Kulturwissenschaften, Germanistic und auch in Interkultureller Communication. Das Studium was super, Ich bereue nichts daran. Ich war theoretisch schon zum promovieren angemeldet, aber irgendwie had some, no, Musik is it. And this vorher nicht. I have früh kennengelernt, die Musik studiert haben nach dem Abi student and then aber mit dem Abschluss auch nicht so recht was anfangen konnten and then zum Teil sogar aufgehört haben, Musik zu machen. Was ich so abschreckend fand, dass ich mir dachte, wenn ich nicht für mich irgendeine Sicherheit habe, dass das ist, was ich machen will, dann mache ich das nicht. And that Anfang 20, nachdem ich schon was anderes studiert hatte. Und ein zweites Thema, mit dem ich natürlich auch als Frau mehrfach schon, ich sag mal, konfrontiert wurde, auch wenn es ein hartes Wort ist, ist natürlich Familienplanung, Lebensplanung, wünsche ich mir Kinder, wünsche ich mir eine Partnerschaft, wie oft bin ich überhaupt zu Hause und wie macht man das alles? Deswegen finde ich auch immer im Austausch mit Kollegen und Kolleginnen dieses Thema Lebensrealität einfach wahnsinnig spannend. Ich bin Stefanie Lottermoser, Jazz-Saxophonistin und Sängerin, Komponistin, Bandleaderin und Moderatorin. Willkommen bei Warum Jazz. Heute geht es um die Sache mit der Lebensplanung. When I auf my eigen, then have the feel that my priorities are languages. My studium is also a while here. I don't know if my carrier focus in the music so that can, weil carrier clings had and what is. And this is impressive or in Kunstbereich, which not wünschen. Vielleicht was musik getrieben, the besser word. My wunch war immer viel Musik zu machen, viel spielend, for all eigene Musik zu spielen and auf der Bühne zu stehen. And I have vieles andere, diesem Wunsch, untergeordnet. Diese Lebensplanung beinhaltet bestimmte Dinge, um die ich mich kümmern muss, bestimmte Strukturen und bestimmte Tagesabläufe. Jeder Beruf hat auch das MusikerInnen-Dasein, einige feste Bestandteile, zum Beispiel Üben, Proben, Soundchecks, Vielreisen, Konzerte. Und trotzdem unterscheiden sich auch da viele Lebensrealitäten von MusikerInnen voneinander. Ich habe heute einen ganz tollen Gast, a toller Frau. We have uns gerade erst for a time gesehen und zwar beim Bayerischen Landesjugend Jazz Orchester. Da sind wir beide as Dozentinnen tätig. And we next week erst an Bayerischen Jazz Weekend in Regensburg with Big Bands. She is Freiberuflerin, Professor, Tourmusikerin, Bandleaderin, international Konzerte gespielt, she has an Hochschulen schon gearbeitet, zuletzt in Köln und jetzt ist sie gerade frisch gekürte Professorin für Trompete an der Musikhochschule in Nürnberg, wo sie auch gerade hingezogen ist. Heidi Weyer ist da. Schön, dass du da bist und guten Morgen. Guten Morgen, Steffi, und danke für die Einladung. Sehr, sehr, sehr gerne. Du hast ja wirklich eine, ich habe vorher schon den Begriff Karriere in meiner Einführung benutzt, aber du hast ja wirklich, wir sind unvergleichert, glaube ich, wenn ich das sagen darf, eine tolle Karriere bis hierhin. Wie gesagt, du bist Trompeterin, Komponistin, Bandleaderin, Hochschulprofessorin. Du warst bereits für den Deutschen Jazzpreis nominiert als Blechbläserin des Jahres, du hast den Deutschen Jazzpreis für die Komposition des Jahres erhalten. 23, glaube ich, war. Du hast den Deutschen Jazzpreis 2023 erhalten und bist jetzt eben gerade Professorin für Trompete in der Hochschule in Nürnberg geworden. Das sind ja alles großartige Dinge, die du schon geschafft hast. Was davon stand auf deiner Wunschliste, wenn ich mal so fragen darf?
SpeakerWow, gute Frage. Ehrlich gesagt, ich glaube gar nichts davon.
Speaker 1Weil du eigentlich nämlich Klarinette lernen wolltest.
SpeakerGenau, nein, Quatsch. Wie du schon sagtest, also mit vielen Dingen rechnet man ja auch gar nicht. Und deswegen Wunschliste. Für mich war es genauso wie für dich, spielen, Musik machen, da war ich schon oder wäre ich schon sehr dankbar gewesen. Auch wenn ich irgendwo einen festen Job bekommen hätte, wäre ich auch schon dankbar gewesen. Aber Dinge entwickeln sich dann halt doch mal anders und dann freut man sich über das, was noch mehr passiert als das, was auf einer imaginären Wunschliste vielleicht mal stand.
Speaker 1Der Podcast heißt ja Warum Jazz? Warum ist es denn bei dir der Jazz geworden?
SpeakerWeil tatsächlich mein damaliger Klarinettenlehrer, tatsächlich hatte ich ja mit Klarinette angefangen, wie soll ich sagen? Ich hoffe, er hört nicht zu, ich glaube nicht. So ein bisschen schwierig war, sagen wir mal, was pädagogische Qualitäten betrifft und ich mich nicht mehr wohlgefühlt habe und dann durch den Zufall quasi einem anderen sehr, sehr tollen Lehrer aus dem Jazzbereich zugeordnet wurde, der auch gar nicht Klarinettist war, sondern Jazzpianist. Und der hat mich dann an den Jazz rangeführt, der erst auf der Klarinette und dann eben später auf der Trompete, weil er mich in die Big Bands kriegen wollte und sagte, mit Klarinette wird es nichts. Und dann habe ich nochmal umgesetzt.
Speaker 1Und da war nicht der näher liegendste Schritt, Saxophon zu lernen, wann du schon Klarinette gespielt hast?
SpeakerDoch, auf jeden Fall, aber es waren halt schon in dieser Big Band zwölf SaxophonistInnen in der ersten Reihe. Das alte Problem. Dann dachte ich, ja, da komme ich mit Trompetus gleich eher zum Zug. Es war eine sehr pragmatische Entscheidung, muss ich sagen. Aber ich habe sie nicht bereut.
Speaker 1Und an welchem Punkt war es dann aber so weit, dass du dir dachtest, ich kann mir wirklich vorstellen, das idealerweise mein Leben lang zu machen?
SpeakerDas war tatsächlich sehr ähnlich wie bei dir. Ich habe auch Kulturwissenschaften erst studiert. Ich habe es mir nach dem Abitur, weil ich auch spät nochmal mit Trompete angefangen hatte, da habe ich erst zwei, drei Jahre Trompete überhaupt gespielt, überhaupt nicht zutrauen können, da direkt irgendeine Aufnahmeprüfung zu bestehen. Ich habe dann natürlich schon mitbekommen, durch meine Mitgliedschaft damals, zum Beispiel beim Landesjung Jazz Orchester, um mich herum wird, Jazz studiert und das ist ja interessant und spannend und ich hätte auch total Lust drauf, aber ich habe es mir einfach nicht zugetraut. Und dann habe ich auch erstmal Kulturwissenschaften studiert und meinen Bachelor dort gemacht und dann eben durch ein Praktikum nochmal bei einer Künstleragentur gemerkt, dass, Moment, irgendwie, ich organisiere hier gerade Konzerte für großartige KünstlerInnen auf den Bühnen Europas sozusagen und irgendwie hätte ich viel mehr Lust, selber auf Musik zu machen und dann habe ich das quasi, ja, man probiert mit der Aufnahmeprüfung und das dem dann ja dem Schicksal überlassen. Wenn ich das bestehe, dann werde ich quasi dem eine Chance geben und wenn ich durchfalle, dann werde ich halt meinen Master in Kulturmanagement oder etwas in die Richtung machen.
Speaker 1Aber hast du nicht rückblickend von diesem Praktikum zum Beispiel auch profitiert, was so den Blick hinter die Strukturen angeht, weil viele MusikerInnen im Jazzbereich haben die Realität, dass sie nicht mit einer Konzertagentur zusammenarbeiten, sondern machen vieles selber. Und viele tun sich schwer damit, weil man natürlich auch ständig damit konfrontiert ist, sich selbst an den Mann oder an die Frau zu bringen und immer die Musik, die man macht, gewissermaßen verkaufen zu müssen, was sich oft unangenehm anfühlen kann. Und da könnte ich mir vorstellen, dass es helfen könnte, wenn man dann auch mal den Blick auf die andere Seite sozusagen bekommt und halt sieht, dass der Bereich, Konzerte zu organisieren, auch in Anführungszeichen nur ein Geschäft ist, das halt nach bestimmten Regeln erfolgt und dass man da vielleicht ein bisschen die Scheu davor verliert. War das so?
SpeakerAlso ich hatte schon Vorteile dadurch, vor allem so Einblicke ins Vertragswesen oder in Honorarvorstellungen von den großen Acts zum Beispiel. Oder ja, auch natürlich, was für ein Aufwand das natürlich ist, eine Tour zu organisieren und wie akribisch man da vorgehen muss als in dem Fall Tour-Managerin oder in einem anderen Fall Bandleaderin, wenn man kein Management hat sozusagen oder BookerInnen oder sowas. Aber ich muss sagen, es war trotzdem was ganz anderes, dann für sich selbst zu booken, natürlich. Und da interessiert es natürlich niemanden, dass man das mal selber auf der anderen Seite war. Also es war trotzdem harte Arbeit, sobald das wegfällt. Aber für den Blick natürlich hinter die Kulissen war es sehr wertvoll.
Speaker 1Und selbst wenn man schon mal hört, was, also wenn du auch sagst, du hast von großen Acts auch Gagen zum Teil mitbekommen, dass man alleine schon mal weiß, was eventuell möglich wäre, weil oft hat man ja so gar keine Vorstellung davon, was jetzt eine realistische Gage ist oder was eine Gage ist, die überhaupt jemals irgendwann möglich wäre. Da wird ja auch wenig drüber gesprochen. So im Studium lernt man ja selten, was ist eine Gage. Es gibt Gagenempfehlungen von der Deutschen Jazzunion und das ist ja immer auch ganz gut. Aber auch da sieht die Realität, wenn man dann mit Clubs und VeranstalterInnen in Verhandlungen geht, ja oft auch ganz anders aus. Deswegen finde ich das zumindest ganz gut, wenn man manchmal sich dann doch vielleicht intern darüber austauscht. Man muss ja nicht öffentlich über eine Gage sprechen, wenn man das nicht möchte. Das ist ja auch in Deutschland kein beliebtes Thema, öffentlich überhaupt über Geld zu sprechen. Aber ich glaube, manchmal, wenn man sich intern unter KollegInnen darüber austauscht, ist das, glaube ich, total hilfreich für alle.
SpeakerDas wäre auf jeden Fall erstrebenswert. Und es ist also in meinem Umfeld habe ich schon das Gefühl, dass es immer öfter passiert. Super. Gerade unter Bandleaderinnen. Ja.
Speaker 1In einem Vorstellungsgespräch wäre es jetzt total unangebracht, über Familienplanung zu sprechen, weil das gehört ja nicht hin, aber wir sind nicht in einem Vorstellungsgespräch. Weil du bist nämlich Mutter bist, du hast einen ganz süßen, tollen kleinen Sohn, der gerade, glaube ich, eineinhalb Jahre alt ist. Der war auch beim Landesjugend Jazzorchester nicht, weil er schon da mitgespielt hat, sondern weil er noch in der Nähe der Mutter sein muss und dein Partner war auch mit dabei. Und also aus meiner Perspektive macht ihr das wahnsinnig toll, wie ihr gemeinsam eben eure Familie plant und euch um euren Sohn kümmert. Und ich habe dann darüber nachgedacht, was eigentlich meine früheste Erinnerung war an diese Frage, ob ich mal Mutter sein möchte. Und ich kann mich erinnern, ich war auf jeden Fall noch in der Schule, ich glaube so kurz vorm Abi, wahrscheinlich so 17 ungefähr, und war mit drei Freundinnen abends aus. Und irgendwie kam dieses Thema auf und ich weiß, zwei von diesen Freundinnen haben damals gesagt, ich will auf jeden Fall heiraten und ich will auf jeden Fall die eine drei und die andere auf jeden Fall zwei Kinder. Und die dritte hat gesagt, sie weiß es noch nicht genau, aber sie glaubt schon. Und die, die sich so sicher waren, die haben auch heute drei und zwei Kinder. Also das ist genau. Die haben relativ schnell geheiratet und haben ihre Familien und sind super glücklich. Und ich habe mir damals gedacht, ich glaube, ich habe mir gar nichts gedacht, weil ich gar nichts damit anfangen konnte mit dieser Information. Ich hatte da kein Gefühl dazu, zu dem Zeitpunkt. Und ich finde es jetzt auch, also heute rückblickend betrachtet, nicht schlimm, mit 17 nicht zu wissen, ob man jetzt Kinder haben möchte oder nicht. Und bei mir kam das aber auch nie. Bei mir war es eher so, dass ich mich irgendwann gefragt habe, warum ich da gar nicht drüber nachdenke. Ich habe nie in Frage gestellt, will ich Kinder oder nicht will. Es war irgendwie einfach gar nie ein Thema für mich. Ist es auch heute noch nicht. Und manchmal bin ich da fast schon erleichtert drüber, weil ich auch weiß, dass manche hadern mit der Entscheidung. Entweder weil sie sich nicht sicher sind, ob sie in der richtigen Partnerschaft sind, weil sie nicht wissen, ob sie das mit ihrem Beruf kombinieren können. Und ich könnte mir ehrlicherweise nicht vorstellen, das mit meinem Beruf zu kombinieren. Ich sehe aber mittlerweile an vielen Kolleginnen, dass es wirklich ist. Und dass es natürlich auch von einer richtigen Partnerschaft oder von einem Support in Form von Eltern, Großeltern alles geschafft werden kann. Aber für mich hat sich einfach diese Frage nie gestellt. Für mich war das einfach nie ein Thema. War das für dich denn schon früh ein Thema? Oder auch nicht?
SpeakerFrüher überhaupt nicht. Also ich kann mich auch gar nicht an Freundinnen erinnern oder an solche Gespräche in der Schulzeit. Aber ich weiß, dass tatsächlich ich nie zu diesen Mädchen oder jungen Frauen gehört habe, die früh schon über Mutterschaft nachgedacht hatten oder über Kinder. Also das hat auch wirklich überhaupt gar keinen Einfluss gehabt auf mein Jazzstudium. Und ich glaube, heutzutage denkt man wahrscheinlich eher schon einige, aber vielleicht auch früher, das ist ja vielleicht auch Teil des Problems oder ein Grund zumindest, warum so wenige Frauen sich vielleicht sich fürs Jazzstudium entscheiden. Ich habe da auf jeden Fall nicht drüber nachgedacht, weil der Wunsch dann doch so groß war oder dieses innere Bedürfnis ist zumindest zu probieren, das war viel stärker, als jetzt irgendwie in der Zukunft vielleicht einen unsicheren Job zu haben und da Familienplanung irgendwie dazwischen kommen zu lassen. Also es war für mich auf jeden Fall so früh kein Thema. Es wurde in den 30ern dann ein Thema, aber auch, ich denke, zurückblickend, ich bin zwar immer noch in meinen 30ern, aber eher kurz vor Knapp. Bei mir sind sie schon vorbei. Ja, aber eben dieses am Anfang der 30er, okay, Freunde, also Freunde und Freundinnen kriegen langsam Kinder, aber noch in immer nicht im Jazzbereich. Da sind ja alle immer ein bisschen später dran. Und dann habe ich mir schon Gedanken gemacht, weil man auch immer drauf angesprochen wird und immer öfter. Gerade von männlichen Kollegen ist, ich weiß nicht, ob dir das auch so gegangen ist, aber bei mir wurde das oft zum Thema gemacht.
Speaker 1Ich glaube, das hat mich nie jemand gefragt von meinen männlichen Kollegen.
SpeakerDas ist ja interessant. Ja, das war auf jeden Fall ein Thema. Und dann habe ich zu der Zeit viele, viele Bücher gelesen, weil ich eigentlich keinen inneren Wunsch danach hatte. Und trotzdem dachte, ich muss mir sicher sein, dass ich diese Entscheidung irgendwann bereue. Zudem kam noch, dass ich Anfang 30er auch keine Partnerschaft hatte, in der ich mir das irgendwie vorstellen konnte. And naja, dann kam mein jetziger Partner in mein Leben, ich würde sagen, eher älter als Mitte 30, und dann auf einmal konnte ich mir auf, also dann waren die Bücher irgendwie hinfällig geworden, weil es dann irgendwie klar war auf einmal. Deswegen dachte ich, okay, trotzdem gut, sich damit auseinandergesetzt zu haben. Jetzt bin ich total froh mit dieser Entscheidung, wenn es natürlich mein Leben sehr verändert hat und auch meine Karriere in Anführungszeichen, wie du vorhin gesagt hast, auch natürlich verändert oder zumindest einen starken Einfluss darauf hat. Aber tatsächlich fühlt sich das für mich nicht akut danach an. Also es ist irgendwie so eine natürliche Akzeptanz dann mit dazugekommen über alles, was das jetzt mit sich bringt für Veränderung.
Speaker 1Und ihr seid ja auch gerade erst alle zusammen aus Köln nach Nürnberg umgezogen, weil du da herzlichen Glückwunsch, die Professur für Trompete bekommen hast, was großartig ist. Alleine das ist auch so ein großes Thema, weil es an deutschen Musikhochschulen im Jazz-Bereich so wenig Professorinnen gibt. Es sind so wenig Frauen auf Professuren. Das alleine wäre ein Thema, wo wir wahrscheinlich eine ganze Staffel-Podcast damit füllen konnten, mit dem Ganzen, was damit zusammenhängt, mit den ganzen strukturellen Problemen, die das auch heute noch an Hochschulen mit sich bringt, im Lehumfeld, aber natürlich auch für die Studierenden. Ich meine, wir beide haben zu einer Zeit studiert, als, also in München an der Hochschule, als ich studiert habe, gab es eine Gesangsprofessorin, die hat aber in Skandinavien gelebt und war nur alle paar Monate für Blogunterrichter. Die habe ich da, glaube ich, gar nie gesehen. Und da waren sonst nur Männer. Bei wie vielen Frauen hast du studiert?
SpeakerBei keiner Einzelnen.
Speaker 1Siehst du genauso. Und eben diese Sichtbarkeit davon erstmal, dass Frauen auch in diesem Beruf sind, macht was mit allen Studierenden. Ich finde das immer doof, wenn Leute meinen, dass das nur für die Studentinnen einen Unterschied machen würde, aber das ist totaler Quatsch. Das macht für die Studenten oder für die weiblich und männlich gelesenen Personen für beide einen kompletten Unterschied, ob sie nur bei Männern was lernen oder einfach bei Männern und bei Frauen was lernen, weil das einfach immer auch verschiedene Perspektiven sein können, weil wir anders in den Beruf hereingewachsen sind und vielleicht auch einen anderen Blick darauf haben, auch aus unseren unterschiedlichen Lebensrealitäten. Und deswegen finde ich das großartig, dass du in Nürnberg diese Stelle hast. Und ich habe auch gerade erst vor ein paar Tagen mit einer Studentin gesprochen, die jetzt dann, glaube ich, aus Osnabrück zu dir wechselt. Die ist auch in Bayern im Landesjugendsorchester und die freut sich da schon sehr darauf. Und jetzt nicht nur nicht ausschließlich, weil du eine Frau bist, sondern eben, weil du Heidi Bayer bist, weil du die Trompeterin bist, die du bist. Und die finde das toll, dass sie jetzt bei dir studieren kann. Es gab, glaube ich, in ganz Deutschland damals keine Saxophon-Professorin, bei der ich überhaupt hätte studieren können, als ich studiert habe. Also nicht, dass ich wüsste.
SpeakerAlso gar nicht. Nee, gab es nicht. Wir kennen ja alle mittlerweile die Professorinnen, die es gibt. Sie kannst ja immer noch an einer Hand abzählen im Instrumentalbereich.
Speaker 1Kann man leider wirklich. War es klar, dass du dich auf eine Professur bewerben würdest, egal wo die ist, oder ist es dir schwer gefallen, aus Köln wegzugehen? Ich meine, dein Partner hat ja auch in Köln gearbeitet und hat quasi dann auch für eure gemeinsame zukünftige Planung jetzt da einen Switch gemacht. Wie seid ihr das gemeinsam angegangen?
SpeakerAlso erstmal die erste Frage. Ich habe mich nicht auf jegliche Ausschreibungen beworben, sondern nur auf Ausschreibungen in den letzten Jahren, wo ich ein gutes Bauchgefühl hatte. Und wo ich auch das Gefühl hatte, da könnte man hinziehen oder da in der Stadt kann ich was bewegen, da kann ich mir ein Leben vorstellen. Oder auf das Kollegium, das kann ich mir gut vorstellen. Also, und genau, dann hatte ich mich in Nürnberg beworben, war aber dann tatsächlich schon schwanger und dachte so, okay, das wird auf jeden Fall eine knappe Kiste mit der Fortstellungsrunde. Aber könnte zu schaffen sein noch. Und ja, es wäre auch zu schaffen gewesen, aber ich war tatsächlich von hoch schwanger und man macht sich vor, sowas, oder ich kann eigentlich jetzt in dem Fall nur für mich sprechen. Das wäre tatsächlich dann zu der Zeit auch meine erste Bewerbung gewesen für eine Professur. Ich hatte mich natürlich schon für andere Stellen und feste Stellen an Hochschulen beworben und hatte auch schon viel Hochschulerfahrung, aber dennoch ist sowas immer mit Aufregung verbunden. Und es war dann so ein Punkt, wo ich sagte, nee, ich muss jetzt, also ein Punkt erreicht, wo ich sagte, ich muss jetzt zurücktreten, weil die Geburt steht jetzt, wie viele Wochen war es? Sechs Wochen später oder sieben Wochen nach diesem Hearing wäre der Termin. Und ich habe dann einfach bei einem Concert vorher kaum noch luft and then so the Rice line for the gesundheit, sag ich mal, also my selbst and ungeborenen Kindes, so to say. Das war einfach, das hätte ich mir niemals verziehen, when it's wegen so einer Professur or an fatalen chance was riskiert hätte. Deswegen habe ich dann upgesagt, and uh, was vielleicht tatsächlich interessant ist für alle Frauen und Mädels, die zuhören, sie haben sich dann dazu entschieden, aus Gleichstellungsgründen, mir ein späteres Hearing anzubieten. And damit meine ich nicht sechs Wochen nach der Geburt, da war ich auch sehr überrascht, sondern sobald ich möchte. And ja, und das war dann so, okay. Ich wollte sechs Monate auf jeden Fall zu Hause bleiben. Und das war auch die beste Entscheidung, weil ich dann ungeplant einen Kaiserschnitt bekommen hatte und das natürlich Zeit braucht. Mit sowas muss man immer rechnen. Also ich hätte als Trompeterin nicht nach vier Wochen nach einem Kaiserschnitt und Gottes Willen, das waren die Schmerzen der Hölle. Also es braucht einfach Zeit, ganz viel Zeit und zu regenerieren. Und man muss ja auch reinwachsen in diese Situation, in den Schlafmangel, in all das. Und deswegen war es für mich die beste Entscheidung. Dann, ähm, ich glaube, es waren dann acht Monate nach der Geburt, hatte ich dann das Hearing und Konnte mich dann so wieder ein paar Wochen vorher darauf fokussieren, Vorbereitungen üben? Hat alles dann auch gut geklappt? Und genau, das war so die erste Teilfrage, glaube ich, die du gestellt hattest.
Speaker 1Weißt du, ob das, kurze Zwischenfrage, weißt du, ob das an allen Hochschulen so in der Satzung steht, sozusagen, dass man aus Gleichstellungsgründen da dann noch mehr Zeit gibt? Oder ist das also noch ein bisschen unerforschtes Feld?
SpeakerAlso ich weiß tatsächlich nicht, ob es mittlerweile an allen Hochschulen so ist, aber ich hatte mich auch in Würzburg beworben und die Hochschule, da rechne ich das auch extrem hoch an, die hat es auch so gemacht. Also diese Hearings, die lagen dann am Ende einige Tage nur auseinander, Würzburg und Nürnberg. Und ich hatte auch bei beiden Hochschulen gesehen, dass sie eben so ein Gleichstellungs, ich weiß jetzt nicht mal, wie es genau heißt, also ein Paper erarbeitet hatten, wo es eben auch darum geht, wie kriegen wir in Unterbesetzten oder von Frauen unterbesetzten Bereichen an die Hochschule, wie schaffen wir das? Und natürlich geht es dann auch darum, das ganze Procedere so zu gestalten, dass es eben auch familienfreundlich und auch frauenfreundlich damit ist. Das gab es bei diesen beiden Hochschulen. Und das würde mich jetzt schon auch wundern, wenn das nicht mittlerweile bei allen Hochschulen der Fall wäre. Okay, ja, ja. Aber ich habe es nicht kontrolliert. Also das kann ich jetzt nicht genau sagen. Ja, und dann letztendlich hatten wir besprochen, okay, als es klar war, also auch schon währenddessen natürlich überlegt, in diesem ganzen Prozess, wo es noch unklar war, ob ich den Job bekäme oder nicht, hatten wir schon überlegt, was machen wir, wenn es der Fall wäre oder wenn der Fall eintreten würde und als dann der Fall tatsächlich eingetreten ist, haben wir gesagt, auf jeden Fall ziehen wir um. Mein Partner hat zum Glück einen Job in einem sehr gesuchten Bereich, pädagogische Fachkraft in der Kinder- und Jugendhilfe. Deswegen kann er sich quasi das aussuchen, wo er arbeitet. Er findet immer irgendwas, sozusagen. Und er hatte auch Lust auf eine Veränderung. Er war zu dem Zeitpunkt schon 25 Jahre in Köln. Ich elf und wir haben das auch nicht so als Abschluss oder also Abschluss von Köln, wie auch immer, gesehen, weil wir beide Erfahrungen gemacht haben, man kann immer wieder zurück. Also keine Tür ist zu, nur weil man mal woanders eine Tür aufmacht. Oder so. Im Gegenteil, deswegen haben wir gesagt, nee, pendeln ist nicht möglich im Schichtdienst meines Partners sowieso nicht. Niemand hält ihn da zwei, drei Tage frei, nur damit ich dann nach Nürnberg und zurück pendel und in der Zeit auch unser Kind nicht sehe. Und dann ist das ja nicht die einzige Pendelein. Man möchte ja auch noch zu Konzerten mal. Da muss man ja auch schon wieder einen Zug steigen. Deswegen war für uns super klar, okay, wir ziehen da jetzt hin, dann kann ich da auch was bewegen. Ich brauche vielleicht mein Fahrrad im besten Fall nur zehn Minuten zur Hochschule, es macht alles leichter. Man hat die Kita vor Ort. Also für uns war klar, wir müssen uns das Leben so machen oder so gestalten, dass es nicht anstrengender wird dadurch, sondern einfacher. Und wenn es dann Umzug beinhaltet, dann ist es halt so. Und wir haben es bis jetzt nicht bereut, es sind zwar erst nur ein paar Monate dort, aber wir fühlen uns schon sehr wohl. Also es ist immer interessant und aufregend und bereichend, nochmal in einer anderen Stadt zu sein.
Speaker 1Und ich finde auch immer, dass Deutschland dann doch nicht so riesengroß ist, dass man nicht auch, wenn man mal hin muss, da nicht innerhalb von, also innerhalb von einem Tag kann man ja auf jeden Fall überall sein, insofern die Bahn fährt. Genau. An sich ist Deutschland nicht so unüberbrückbar groß, dass man nicht die Möglichkeit hätte. Und Nürnberg Köln ist natürlich auch eine Entfernung, die wahrscheinlich noch irgendwie geht. Musikalisch, ich meine, du hast eine total beeindruckende Diskografie, wenn man auch auf deiner Homepage, wo ich natürlich auch gestöbert habe, sich umschaut. Du hast zwei Alben als Bandleaderinnen schon veröffentlicht. Soweit ich weiß, ist da ein nächstes in den Startlöchern. Und dann hast du ja außerdem unter anderem schon mit Shannon Barnett, mit Stefan Schmidt, mit Sarah Decker, Johannes Ludwig, Pablo Held und Henrika Enstian gearbeitet und eben viele Aufnahmen schon gemacht. Du hast ja gerade gesagt, natürlich hat jetzt deine Professur und auch deine neue Rolle als Mutter, hat natürlich Einfluss auf deine Karriere im Moment oder auf deine Lebensrealität. Was sind die Dinge, für die du trotzdem noch genug Zeit hast oder Dinge, die du planst oder vielleicht auch Dinge, die du dann schon für in zwei, drei Jahren planst, je nachdem wann euer Sohn eventuell auch in die Kita geht? Also gibt es ein neues Album oder hat mir Daniel Quasch erzählt?
SpeakerEs gibt tatsächlich ein neues Album. Das kommt jetzt, oh Gott, ich möchte keinen exakt falschen Termin sagen, aber im November soll es rauskommen, genau. Und das habe ich aufgenommen. Tatsächlich, da war ich auch schon nicht hoch schwanger, aber gut schwanger. Und wollte es unbedingt noch machen, weil ich wusste, danach wird es schwierig einfach. Also mit der Zeit. Und deswegen, genau, das kommt jetzt raus. In welcher Besetzung ist das? Mit welcher Band? Also die Besetzung ist quasi ein Quintett mit Karl Degenhard, mit Johannes Ludwig, mit Phil Donc und mit Jan Alexander am Rhodes und ja, an den Effekten sozusagen. Das ist quasi eine Erweiterung meines vorherigen Quartets. Ich wollte jetzt aber halt nochmal ein Instrument, also ein Harmonieinstrument dabei haben und hatte total Lust dafür zu komponieren mit Effekten und mit Roads mit der Klangfarbe. Das hat total Spaß gemacht und erscheint jetzt bald. Und da freue ich mich und bin auch schon ein bisschen aufgeregt. Es ist auch ein bisschen anders alles gelaufen als meine früheren Alben, wo man wirklich super ins Detail gehen konnte und sich über alles mögliche Gedanken machen konnte. Also die Zeit während Schwangerschaft, Geburt, ein Wochenbett und dann danach das Ganze mit Professur und Überleben mit einem unter einjährigen Kind. Ja, das war dann alles nicht mehr, wie soll ich sagen, die Zeit war nicht mehr vorhanden, ins Detail zu gehen. Und ich bin deshalb umso glücklicher, dass jetzt trotzdem ein für mich ein wundervolles Album rauskommen wird, wo ganz viel Herz drin steckt, aber eben vielleicht nicht diese, wie soll ich sagen, Detailbesessenheit in einer Postproduktion. Also ich rede jetzt nicht von Mixing unbedingt, aber sondern da stehe ich voll dahinter. Aber auf jeden Fall alles, was danach betrifft, okay, und Marketing, dann mache ich das und hier mache ich ein Video, das bereitet schon mal das anders vor. Die Zeit ist gerade einfach nicht da. Und das ist aber in Ordnung, weil ich gelernt habe mittlerweile, dass jedes Album auch quasi eine Dokumentation des Lebensabschnitts ist, in dem man sich befindet. Und das ist jetzt dieser Lebensabschnitt eben. Und deswegen, genau, ich hatte ja gerade vorhin von Akzeptanz schon gesprochen. Das ist für mich eben so ein ganz wichtiges Wort geworden, weil das einfach so vieles leichter macht. Ja, wenn ich das so sehe als Dokumentation dieser letzten zwei Jahre, dann ist es für mich halt toll, dass es überhaupt rauskommt jetzt. Also es klingt vielleicht so, als ob es jetzt heute das weird Album wird und so ist. Ist es überhaupt nicht, finde ich. Aber halt einfach so ein Gefühl anders. Man hat einfach nicht mehr diese Zeit reinstecken können, die man vorher reinstecken konnte, weil es eben nicht mehr geht. Und das ist voll in Ordnung. Und ansonsten, um deine Frage noch komplett zu beantworten, Zeit für irgendetwas in den nächsten Jahren ist gerade einfach gar nicht da. Also ich komme auch kaum zum Üben, das soll jetzt auch nicht abschreckend wirken. Da habe ich tatsächlich mal bereut, dass ich Trompete gelernt habe, weil ich natürlich trotzdem gerade Konzerte spiele und auch total dankbar bin, dass es überhaupt geht, aber es ist schon mit Stress verbunden gerade, weil ich einfach jetzt nur das Allernötigste machen kann. Ja, das heißt Kraftübungen im Prinzip abends, wenn ich dann mal endlich frei habe, dann setze ich mich mit so einem komischen Druckmessgerät und einem Mundstück auf die Couch und übe dann noch meine zehn Minuten, ja, oder mache meine zehn Minuten Krafttraining, besser gesagt, für die Lippen, damit ich dann fit bin für die Konzerte, die anstehen. Und das ist es im Prinzip. Das ist teilweise sehr unbefriedigend. Ja, lässt mich mit so einem Gefühl der Ungenügsamkeit ein bisschen zurück. Aber letztendlich, wenn ich dann Konzerte spiele, bin ich einfach immer übelst dankbar und es macht total Spaß. Aber ich merke schon, ich komme gerade nicht voran, sozusagen. Also er stagniert. Und das ist aber auch dann wieder Teil der Akzeptanz.
Speaker 1Du hast ja bis hierhin schon sehr, sehr viel erreicht und sehr, sehr viel aufgebaut. Und ich glaube auch, dass so eine Phase im Leben, wo es dann mal jetzt nicht noch, also wo man dann eher vielleicht mal kurz auf einem Plateau ist, muss ja gar nicht, das muss ja überhaupt nicht negativ sein. Und trotzdem hast du ja gerade andere Bereiche, die dein Leben neu bereichern und neu beeinflussen. Und eben, was dann in zwei Jahren ist, weiß jetzt sowieso noch keiner. Alles, was jetzt deine Lebensrealität ist, kann ja auch ganz viel neue Inspiration bringen und ganz viel neue Perspektive für das, was dann danach kommt. Deswegen, also ich finde das total bewundernswert und toll, die Kombination an all den Dingen, die du schon gemacht hast und die du gerade machst. Ich finde das eben auch, also was du stemmst und was ihr als Familie stemmt, ich habe da den allerhöchsten Respekt davor. Und dann eben tatsächlich auch noch ein Album zu machen und rauszubringen, ist ja mehr als viele machen, die nicht noch das Ganze zusätzlich stemmen müssen, was du gerade hast. In Köln hast du viel oder hast du mehr mit SchulmusikerInnen gearbeitet und jetzt sind das Leute, die wirklich sagen, ich will Trompeter, ich will Trompeterin sein. Das in Kombination mit dieser Förderung durch das Nika-Artist-Development, das du schon hattest, wie sehr ist dir das ein Anliegen, jungen Leuten auch Themen jenseits von rein spielerischen Fähigkeiten mitzugeben und sie zu beraten?
SpeakerDas ist eine sehr gute Frage. Und das kann ich auch sofort beantworten, ohne lange drüber nachzudenken, weil mir jetzt natürlich ein riesiges Anliegen ist. Ich glaube sogar mit das Größte, was auch dazu geführt hat, dass ich mich überhaupt für diese Professur beworben hatte. Weil ich natürlich, das kann ich hier auch offen ansprechen, trotzdem gehadert hatte, ob ich das überhaupt machen möchte, ob ich in diesem, sag ich mal, von meinem wundervollen SchulmusikerInnenleben, was ich wirklich sehr genossen habe. Also das heißt, ich mein Leben weiter Schulmusik gewidmet, aber dieser erste oder der letzte Job an der Hochschule Köln. Und da, genau, das war einfach eine ganz, ganz tolle Zeit und ich hatte wirklich gehadert, ob ich überhaupt in diesen Exzellenzbereich gehen möchte, weil ich selber auch rückblickend auf mein Studium Jaztrompete auch gedacht hatte, da sind so viele Dinge irgendwie falsch gelaufen und da können bestimmt viele darüber sprechen aus unserer Generation, was da früher nicht so gut gelaufen ist oder was man sich anders wünschen würde. Aber gerade diese Frage, die du gerade gestellt hast, ist halt für mich eigentlich noch wichtiger als spielerische Aspekte, dass man eben weiß, man kann so viel mit dieser Professur einfach verändern. Viel mehr, als man im Mittelbau könnte oder als Lehrbeauftragte, als kleines Rädchen sozusagen, man kann einfach jetzt wirklich Weichen stellen. Und das möchte ich auf jeden Fall nutzen und hoffe, dass ich damit bewirken kann, dass einfach vielleicht gewisse Studienordnungen auch der Lebensrealität von einigen oder von uns JazzmusikerInnen auch angepasst werden, dass es einfach nicht nur um die spielerische Exzellenz oder Qualität geht, sondern dass ich wirklich jungen Menschen dabei helfen kann, ihren Weg zu finden, ihren Ausdruck zu finden, vielleicht auch darüber hinaus schauen kann, zusammen, wie tickt dieser Mensch, was braucht er für Lerninhalte, aber auch drumherum im Leben. Was gibt ihm Sicherheit, was gibt dem Vertrauen in sich selbst, wie kann dieser Mensch sich entwickeln, um davon nicht nur leben zu können, sondern einfach ein gutes Leben zu führen, ein glückliches Leben. Und das finde ich wirklich eine große Herausforderung. Und ist eben auch ganz leicht, finde ich, umzusetzen, wenn man bedenkt, dass viele Studiengänge eben noch Studienordnungen von 30, 40 Jahren eher beinhalten und das sich so langsam ändert. Was bringt mir eigentlich bei an Hochschulen? Also, what is either the Ziel? This braucht einfach noch einige Jahre, denke ich, das wirklich so anzupassen, dass alles ein bisschen breiter gefächert ablaufen kann und vielleicht jede Person sich darin findet oder wiederfindet. Und wenn nicht nur Dinge bewerten, die eben halt nach Kriterien höher, schneller, weiter irgendwelche messbaren Kriterien bewerten. Das ist halt das Schwierige, das verstehe ich auch als Problem als solches. Aber geht es denn darum wirklich in der Musik? Also, und das ist ja auch der Grund, warum viele eben diese Liebe oder diese Leichtigkeit zur Musik in ihrem Studium und danach irgendwann verlieren oder hadern, ob sie aufhören sollen, mit sich ringeln, ob es doch das Richtige war und warum habe ich es überhaupt gemacht? Ich habe es doch mal so gerne gemacht, auf der Bühne zu stehen. Warum ist das jetzt nur noch Druck? Ja, weil es halt dazu führt, dass wenn es zu verschult ist und zu sehr nach diesen messbaren Kriterien bewertet wird an Hochschulen, dass man sich immer wieder fragt, wer bin ich eigentlich? Wo ist mein eigener Ausdruck hin? Warum hat das nie eine Rolle gespielt?
Speaker 1Das ist sehr schön gesagt. Ich finde es auch immer interessant, weil wir ja beide beim Bayerischen Landesjugend-Jazzorchester Dozentinnen sind. Ich bin da im Jazz-Juniors-Bereich, das sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und höchstens 16 Jahren. Du bist Dozentin in der grünen Band. Die sind dann die Stufe danach, oder sagen wir mal, die jüngsten bei euch sind, 16 und kommen auch oft aus den Jazz Juniors und gehen dann aber rauf bis in den StudentInnen-Bereich. Ich finde es manchmal auch ganz interessant, weil natürlich in der Arbeit mit den Kindern und den Jugendlichen manche Fragen sich bei denen noch gar nicht stellen, weil die noch nicht so sehr in diesem verschulten Bereich drinnen sind und ja manchmal noch viel spielerischer an Musik rangehen, dass man manchmal an Leuten, die wir ja dann über viele Jahre da begleiten, sehen kann, wie sie halt in dieses Verschulte reinkommen. Und manche kommen auch wieder raus, aber bei manchen merkt man, dass sie wirklich eine Weile da fast schon feststecken. Und ich möchte mich da selber auch gar nicht ausnehmen. Also ich musste auch nach meinem Studium bestimmte Dinge wieder loswerden. Das kann ich ganz klar so sagen, rückblickend. Und ich glaube, so geht es ganz vielen. Und deswegen ist das interessant, wie eben dann auch diese musikalische Lebensrealität sich verändert im Spiel oder, je nach der Struktur, in der man sich gerade befindet, ob man eben einfach noch, ich sag mal, mit Freunden und Freundinnen Musik macht oder ob man dann schon in so einem Auswahlorchester vielleicht mitspielt, wo es ja schon losgeht mit, bin ich gut genug, um hier zu sein. Dann spielt man einer Hochschule vor, wo man auch sich natürlich fragt, bin ich gut genug? Von manchen Hochschulen bekommt man auch, weil die sich absichern müssten, Absagen, die einem quasi vermitteln, dass man eigentlich überhaupt gar nichts kann und was ja, was ja auch einen Nachgeschmack selbstverständlich hinterlässt, weil das macht ja sofort was mit dir, wenn du lange, lange übst und vorspielst und dann einen Brief in der Hand hältst, wo steht, dass du eigentlich künstlerisch völlig ungeeignet bist. Und eben selbst wenn du es an der Hochschule schaffst, können ja auch danach noch verschiedene Punkte kommen, wo man sich selbst hinterfragt, wo man von außen hinterfragt wird, wo man Teil einer bestimmten Innengruppe ist oder eben auch nicht. Und eben natürlich auch immer konfrontiert ist mit welche Musik mache ich eigentlich? Wird das gehört, wird das gemocht, wird das kritisiert und eben all diese Fragen begleiten einen oft das ganze Studium und darüber hinaus, du schreibst eigene Musik, ich schreibe eigene Musik, wie komme ich denn dann eigentlich zu dieser eigenen Musik? Und ist da eine Person, die mir sagt, du bist da auf einem guten Weg. Also klar, man kann immer Input bekommen, wenn jemand sich was anschaut und sagt, hier könntest du mal überlegen, vielleicht noch den Akkord reinzunehmen oder so, weil das ist ja die kleinere Frage. Aber insgesamt jemanden zu haben, der dir sagt, Nee, das ist gut, du musst einfach herausfinden, wer du selbst bist und was dein Sound ist, was deine Musik ist, das ist so viel wert. Ich hatte einen einzigen Dozenten und wir wissen jetzt alle, die Musik, die ich mache, ist ja jetzt wahrscheinlich, ich mag immer diese Klischees nicht, aber vielleicht eher zwischen Jazz und Pop oder angeordnet und da sind popige Einflüsse drin. Der einzige Dozent, der immer laut zu mir gesagt hat, mach dein eigenes Ding, alles andere gibt es schon, war der, der stilistisch am allerweitesten von mir weg war. Das war der Michael Riesler, der hat Klarinette in München unterrichtet und ist ja eher im Bereich Neue Musik tätig. Also wir sind stilistisch auf unterschiedlichen Planeten unterwegs. Und das war der Einzige, der von Anfang an zu mir gesagt hat, ey, das ist super, mach dein Ding. Und das war so wichtig für mich. Super. Und deswegen, ich kann das so nachvollziehen, was du gerade gesagt hast, auch was dein Anspruch ist, bei jungen Leuten so hervorzukitzeln und sie zu begleiten. Und eben, dass man einfach später auch in einer Lebensrealität landet, wo man sich denkt, so, hey, ich weiß zwar nicht, wo die Reise hingeht, aber ich weiß, dass ich selbst bin.
SpeakerGenau, super, ja, da kriege ich gerne aus.
Speaker 1Und das ist das Beste, das ist das Beste, was passieren kann. Jetzt haben wir, ich habe mir jetzt eigentlich mir gedacht in dem Podcast, ich mache nicht mehr so lange Folgen, aber ich habe das Gefühl, ich könnte noch dir 15 Fragen stellen. Das werde ich jetzt nicht machen, aber vielleicht kommst du einfach nochmal. Ja, gerne, es war sehr schön mit dir. Und für die Hörer und Hörerinnen, ihr findet Heidi natürlich auch über ihre Homepage. Da könnt ihr euch durch ihre Diskografie stöbern, da könnt ihr ihre Konzerttermine euch angucken. Du bist auch nochmal in Frankreich, glaube ich, dieses Jahr, wenn ich das richtig gesehen habe mit dem Other Side Orchestra. Das ist auch ein sehr spannendes Projekt. Und eben, da finden wir dann hoffentlich auch bald Infos zu diesem neuen Album, von dem du uns erzählt hast. Wenn nicht, werden wir es trotzdem rausfinden, dass es irgendwo genau ist. Ich danke dir für deine Offenheit und für deine Perspektive über deine Lebensrealität. Und glaube, dass da ganz viele Hörerinnen und Hörer total viel Spannendes drin entdecken. Und ich hoffe, dass ihr Heidi Bayer auf jeden Fall auch mal live erleben könnt, weil sie wirklich eine großartige Person und eine großartige Trompeterin ist. Und ja, vielen herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Heidi. Vielen Dank, Steffi.
SpeakerHat sehr viel Spaß gemacht.
Speaker 1Und an euch natürlich. Das war jetzt erstmal die zweite Folge von Warum Jazz. Ich freue mich total, dass es diesen neuen Podcast gibt und bedanke mich auch schon für das schöne Feedback zu der ersten kurzen Folge, die ich alleine gemacht habe. And ihr könnt selbstverständlich den Podcast abonnieren. Ihr könnt gerne eine Bewertung lassen. Ihr könnt auch gerne when you irgendwelche Anmerkungen habt or bestimmte Gäste wünscht. And yeah, ich hoffe, wir hören uns einfach wieder beim nächsten Mal bei Warum Jazz.
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